
Hypermobilität – Kann eine Orthese mir helfen?
Hypermobilität bedeutet eine Überbeweglichkeit der Gelenke. Menschen mit Hypermobilität können oft ihre Knie oder Ellenbogen „überstrecken“ oder ihre Finger komplett nach hinten biegen. Diese Erscheinung zeigt sich dadurch, dass die Gelenkbänder und die Kapsel des Bindegewebes um die Gelenke höhere elastische Eigenschaften haben. Bei Bewegung dehnen sich diese Bänder mit, anstatt sich straff anzuspannen. Dadurch können sich die Gelenke weiter bewegen als bei einer durchschnittlichen Person.
Orthesen (Braces) und Bandagen werden häufig bei Beschwerden durch Hypermobilität eingesetzt. Es ist jedoch wichtig zu wissen, um welche Beschwerden es sich genau handelt. Sie können präventiv eine Orthese tragen, um Beschwerden zu vermeiden. Wir empfehlen dies jedoch nur beim Sport oder bei Aktivitäten mit hoher Intensität.
Symptome von Hypermobilität
Symptome der Hypermobilität sind unter anderem schmerzhafte Gelenke und Muskeln, chronische Müdigkeit, Instabilität im Rücken- und Beckenbereich und Gelenke, die leicht „ausgerenkt“ werden. Häufige Beschwerden sind auch Knie-, Sprungelenk- und Handgelenksbeschwerden. Hypermobilität verursacht jedoch nicht zwangsläufig Beschwerden. Hypermobilität kommt relativ häufig vor und ist nicht gefährlich. Hypermobilität tritt häufiger bei Frauen und bei Menschen mit asiatischer Abstammung auf.
Wie weiß ich, ob ich Hypermobilität habe?
Denken Sie, dass Sie Hypermobilität haben? Anhand der folgenden Tests können Sie feststellen, ob Sie Hypermobilität haben:
- Sie können Ihre kleinen Finger um 90 Grad oder mehr überstrecken.
- Sie können Ihre Daumen bis zum Unterarm drücken.
- Sie können Ihre Ellenbogen um mindestens 10 Grad überstrecken.
- Auch Ihre Knie können mindestens 10 Grad überstrecken.
- Sie können sich nach vorne beugen und dabei Ihre Hände auf den Boden legen, während sich Ihre Knie nicht beugen.
Wenn Sie vier oder mehr der oben genannten Bewegungen ausführen können, haben Sie höchstwahrscheinlich Hypermobilität.

Was hilft gegen Hypermobilität?
Obwohl Hypermobilität nicht geheilt werden kann, können Sie die Beschwerden erheblich reduzieren, indem Sie die Gelenke aktiv unterstützen. Die effektivste Vorgehensweise ist gezielter Muskelaufbau, da starke Muskeln die natürliche Stabilität des Gelenks verbessern und Überlastungen vorbeugen. Ruhiges Krafttraining, Core-Stabilitätsübungen und kontrollierte Bewegungen wie Pilates oder Schwimmen sind hierfür ideal.
Darüber hinaus hilft es, Überstreckungen zu vermeiden und die Gelenke aktiv innerhalb ihres sicheren Bewegungsbereichs zu halten. Dabei kann das Tragen einer Orthese oder Bandage helfen: Diese geben leichten Druck auf die Haut, wodurch Ihr Gehirn besser wahrnimmt, in welcher Position sich ein Gelenk befindet (dies wird als propriozeptives Feedback bezeichnet eine Art „interne Warnung“, die Ihnen hilft, zu starke Bewegungen zu vermeiden).
Mit dem richtigen Training und der Unterstützung können Sie Ihren Körper stärker machen, Gelenke schützen und Beschwerden reduzieren.
Konkrete Übungen bei Hypermobilität
Das Ziel der Übungen bei Hypermobilität ist es, Muskelkraft und Stabilität aufzubauen nicht zu dehnen. Wählen Sie daher ruhige, kontrollierte Bewegungen, bei denen Sie die Muskeln aktivieren, ohne das Gelenk vollständig zu überstrecken. Einige effektive Übungen sind:
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Core-Stabilität (Bauch und Rücken)
Plank auf Knien oder Unterarmen, Seitplank und „Dead Bug“-Übungen stärken den Rumpf, was entscheidend ist, um die Wirbelsäule und Hüften zu stabilisieren. -
Hüft- und Gesäßmuskulatur
„Hip Bridge“ und „Clam Shell“ (liegend mit angewinkelten Knien kontrolliertes Öffnen des oberen Knies) helfen, die Hüftgelenke zu stabilisieren und die Kontrolle beim Stehen und Gehen zu verbessern. -
Knie- und Sprunggelenksstabilität
Wand-Sitz, Mini-Squats innerhalb einer halben Bewegung oder einbeinige Balancierübungen auf weichem Untergrund stimulieren die Muskelkontrolle rund um Knie und Sprunggelenk, ohne zu überstrecken. -
Schulter- und Handgelenksstabilität
Übungen mit einem leichten Widerstandsband, wie z. B. Außenrotation der Schulter oder Handgelenksbeugen, stärken das Gelenk und verbessern die Propriozeption.
Führen Sie jede Übung langsam und kontrolliert aus, mit Fokus auf Muskelaktivierung statt auf maximale Bewegungsreichweite. Beginnen Sie mit 8–10 Wiederholungen und steigern Sie das langsam. Täglich kurze Trainingseinheiten sind besser als einmal pro Woche intensive Einheiten Konstanz ist der Schlüssel bei Hypermobilität.
Worauf Sie achten sollten, wenn Sie eine Orthese bei Hypermobilität auswählen
Beim Auswählen einer Orthese für Hypermobilität ist es wichtig, auf mehrere Faktoren zu achten.
Eine gute Orthese unterstützt das Gelenk nicht nur mechanisch, sondern verbessert auch das propriozeptive Feedback: Dies ist die Fähigkeit Ihres Körpers, zu fühlen, in welcher Position sich ein Gelenk befindet – etwas, das bei Hypermobilität oft vermindert ist. Die Orthese muss genügend Unterstützung bieten, um Instabilität zu reduzieren, darf aber nicht so starr sein, dass die Muskeln deaktiviert oder „faul“ werden, da dies Muskelabbau verursachen kann.
Darüber hinaus ist es entscheidend, dass die Orthese spezifisch auf das Gelenk abgestimmt ist, das Unterstützung benötigt, z. B. Knie, Sprunggelenk, Handgelenk oder Schulter, und dass sie zu Ihren täglichen Aktivitäten passt – sei es Arbeit, Sport oder Ruhezeiten.
Auch Komfort spielt eine große Rolle: Materialien sollten atmungsaktiv und hautfreundlich sein und sich zum langfristigen Tragen eignen. Schließlich sollte eine Orthese immer als Teil eines Gesamtansatzes gesehen werden: Kombinieren Sie ihre Verwendung mit Muskelaufbau, Stabilitätstraining und Übungen, die das Körperbewusstsein verbessern, damit das Gelenk sowohl aktiv als auch passiv optimal geschützt wird.

Daumenorthesen bei Hypermobilität
Bodyvine Verstellbare Leichtgewichtige Handgelenk-Daumen-Bandage
Diese Orthese bietet leichte Unterstützung und Kompression rund um Daumen und Handgelenk. Durch das elastische Material wird das propriozeptive Feedback verbessert: Sie fühlen besser, wo sich das Gelenk befindet und vermeiden so Überstreckungen. Diese Orthese ist ideal für leichte Hypermobilität oder wenn Sie vor allem bei alltäglichen Aktivitäten zusätzliche Stabilität suchen. Der große Vorteil ist die Bewegungsfreiheit und der Komfort.
Unterschied: Die flexibelste und atmungsaktivste Option, mit Fokus auf Komfort und Mobilität.
Diese Orthese bietet gezielte Unterstützung am Daumengelenk dank eines thermoverformbaren Kissens und eines Kreuzband-Systems (X-Straps). Dies verhindert, dass der Daumen unbewusst zu weit bewegt wird. Sie wurde für aktive Benutzer und Sportler entwickelt, die mit Instabilität oder wiederkehrender Überlastung durch Hypermobilität zu tun haben.
Unterschied: Bietet mehr gezielte Fixierung des Daumens als Bodyvine, ohne vollständig zu immobilisieren.
Zamst Thumb Guard Daumenorthese
Dies ist die stabilste Option der drei. Die Orthese enthält einen thermoplastischen (maßformbaren) Kern, der den Daumen fest fixiert. Dadurch wird Überstreckung effektiv verhindert. Ideal bei schwerer Instabilität oder Gelenken, die wiederholt „wegklappen“.
Unterschied: Stärkste Orthese, begrenzt Bewegung am meisten für optimale Kontrolle.
Handgelenkbandagen bei Hypermobilität
Bodyvine Verstellbare Leichtgewichtige Handgelenk-Daumen-Bandage
Obwohl dies eine Kombi-Orthese ist, bietet sie auch eine effektive Unterstützung für das Handgelenk. Die Kompression sorgt dafür, dass sich das Handgelenk stabiler anfühlt und verhindert ein Durchsacken des Gelenks. Dies ist eine gute Option, wenn Sie eine leichte Hypermobilität haben oder Unterstützung bei der Arbeit, am Computer oder bei leichten sportlichen Aktivitäten suchen.
Unterschied: Leichteste Orthese, viel Bewegungsfreiheit und atmungsaktives Material.
Medi Manumed Active E⁺motion Handgelenkbandage
Diese Bandage kombiniert Kompression mit einer integrierten Schiene, die das Handgelenk stabilisiert, ohne die Beweglichkeit vollständig zu blockieren. Ideal für Menschen mit Hypermobilität, die bei Sport oder körperlicher Belastung zusätzliche Unterstützung benötigen, aber dennoch eine gewisse Bewegungsfreiheit behalten möchten. Das Material ist hautfreundlich und für langes Tragen ausgelegt.
Unterschied: Gute Balance zwischen Unterstützung und Bewegungsfreiheit, Premium-Komfort.
Össur Formfit Pro Wrist Handgelenkbandage
Dies ist die am stärksten unterstützende Bandage in dieser Kategorie. Die Bandage enthält verstärkende Schienen (Metalleinsätze), die für eine individuelle Passform geformt werden können. Dadurch wird ein Durchsacken des Handgelenks effektiv verhindert. Sehr geeignet bei ausgeprägter Instabilität oder bei repetitiver Belastung des Handgelenks.
Unterschied: Stärkste Unterstützung, am meisten stabilisierend, etwas weniger Bewegungsfreiheit.
Kniebandagen bei Hypermobilität
Bauerfeind GenuTrain® Kniebandage
Diese Bandage bietet Kompression rund um das Knie, einen Silikonrand, der die Kniescheibe führt und stabilisiert, und verbessert das Gelenkgefühl (Propriozeption). Das macht sie sehr geeignet für Menschen mit Hypermobilität im Kniegelenk, da die Muskulatur aktiv zur Stabilisierung angeregt wird.
Unterschied: Rundum-Unterstützung mit viel Bewegungsfreiheit. Ideal bei leichter bis moderater Instabilität.
Medi Genumedi E⁺motion Performance Kniebandage
Diese Sportbandage kombiniert fortschrittliches Strickgewebe, Merinowoll-Komponenten und ein 3D-Silikonpad, das die Bewegung des Gelenks begleitet. Für Menschen mit Hypermobilität bedeutet dies mehr Kontrolle bei Bewegungen, ohne das Gelenk vollständig zu fixieren.
Unterschied: Etwas robuster und sportlicher als die Allround-Option. Entwickelt für intensivere Nutzung.
E-Life Bio-Contour Sport Kniebandage
Mit einem Silikonpad, das das Gelenk massiert und unterstützt, bietet diese Bandage zusätzliche Hilfe dabei, die richtige Gelenkposition zu halten und die Wahrnehmung im Gelenk zu verbessern. Bei Hypermobilität hilft dies, übermäßige Bewegung zu begrenzen.
Unterschied: Mehr Fokus auf Kompression und Positionskontrolle als auf reine Sportleistung; stabil, aber etwas weniger sportorientiert als die Medi-Bandage.
Schulterbandagen bei Hypermobilität
Bauerfeind OmoTrain Schulterbandage
Diese Bandage stabilisiert das Schultergelenk durch Kompression, eine führende Strickstruktur und ein Gurtsystem, das hilft, den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne zu halten. Bei Hypermobilität ist dies besonders wichtig, da die Bänder häufig zu nachgiebig sind.
Unterschied: Starke Unterstützung, geeignet bei Instabilität oder sportlicher Belastung.
E-Life Bio-Contour Schulterbandage
Eine leichtere, elastische Bandage mit verstellbarer Kreuzgurt-Konfiguration und Silikonpelotte. Dieses Modell verbessert das Bewegungsgefühl und bietet eine subtile Unterstützung. Sehr geeignet für alltägliche Aktivitäten oder leichten Sport bei leichter Schulterinstabilität.
Unterschied: Komfortabler und unauffälliger als die Bauerfeind-Bandage, weniger rigide und daher besser geeignet bei leichter bis moderater Instabilität.
Ellenbogenbandagen bei Hypermobilität
E-Life Bio-Contour Ellenbogenbandage Sport
Diese Bandage kombiniert Kompression mit einem Silikonpad für den Ellenbogen, wodurch das Gelenkgefühl verbessert und Unterstützung bei Bewegungen geboten wird. Bei Hypermobilität hilft dies, den Ellenbogen besser in seiner Position zu stabilisieren.
Unterschied: Basis-Unterstützung. Geeignet bei leichter Instabilität oder zur vorbeugenden Anwendung.
Diese Bandage bietet dynamische Kompression durch zwei Silikonpads. Ideal bei Hypermobilität, wenn der Ellenbogen häufig überstreckt oder instabil ist.
Unterschied: Hohe Unterstützung innerhalb dieser Auswahl. Empfohlen bei stärkerer Instabilität oder intensiver Nutzung.
Medi Epicomed E⁺motion Ellenbogenbandage Sport
Diese sportliche Bandage kombiniert Kompression mit fortschrittlichen Materialien und einem Massage-Pad für den Ellenbogen. Sie verbessert das Gelenkgefühl und die Kontrolle während der Bewegung. Bei Hypermobilität bedeutet dies mehr Unterstützung bei Aktivität, ohne das Gelenk vollständig zu fixieren.
Unterschied: Mittelweg zwischen Basis- und maximaler Unterstützung. Geeignet für aktive Nutzer mit durchschnittlicher Instabilität.
