Macht eine Orthese die Muskeln schwächer? Fakt oder Mythos?
Das Tragen einer Orthese bietet viele Vorteile. Sie sorgt für Stabilität, lindert Schmerzen und unterstützt die Genesung nach einer Verletzung. Dennoch hören wir bei ProBrace häufig die Frage: „Werden meine Muskeln nicht träge oder schwach, wenn ich eine Orthese trage?“
Eine verständliche Sorge, denn niemand möchte von einem Hilfsmittel abhängig werden. In diesem Blog erklären wir, wie es wirklich ist und wann das Tragen einer Orthese tatsächlich sinnvoll ist.
Fakt oder Mythos?
Die Annahme, dass eine Orthese die Muskeln schwächt, ist größtenteils ein Mythos, vorausgesetzt, die Orthese wird richtig verwendet. Eine Orthese dient zur Unterstützung, nicht als Ersatz für die Muskulatur. Wenn sie korrekt angepasst ist und gezielt getragen wird, hilft sie den Muskeln sogar, sicherer und effizienter zu arbeiten.
Eine gut gewählte Orthese reduziert Schmerzen und Überlastung, unterstützt das Gelenk während der Heilungsphase und fördert eine korrekte Bewegung oder Haltung. Dadurch können Sie aktiv bleiben, anstatt lange Ruhezeiten einlegen zu müssen.
Nur wenn eine Orthese zu lange oder unnötig getragen wird, kann die Muskelaktivität etwas abnehmen. Deshalb ist eine fachkundige Beratung wichtig.
Was sagt die Forschung dazu?
Verschiedene wissenschaftliche Studien zeigen, dass das Tragen einer Orthese die Muskelaktivität nicht verringert, solange sie korrekt eingesetzt wird.
Eine in The American Journal of Sports Medicine veröffentlichte Studie zeigt, dass Orthesen die Muskelkontrolle und Stabilität sogar verbessern können, insbesondere in der Rehabilitationsphase nach einer Verletzung. Auch Untersuchungen der Bauerfeind Research Group belegen, dass das Tragen einer funktionellen Orthese die Propriozeption (das Körper- und Haltungsgefühl) verbessert und die Muskelspannung gleichmäßiger über das Gelenk verteilt.
Die Erklärung ist einfach: Eine Orthese übernimmt nicht vollständig die Funktion der Muskeln, sondern unterstützt sie, damit sie effizienter arbeiten können. Dadurch werden Ausgleichsbewegungen reduziert, Schmerzen nehmen ab und die Muskelaktivität bleibt erhalten.
Nur bei langfristigem oder falschem Gebrauch zum Beispiel wenn die Orthese dauerhaft ohne begleitende Übungstherapie getragen wird kann die Muskelaktivität vorübergehend leicht abnehmen. Dies ist jedoch selten und lässt sich leicht vermeiden, indem Bewegung und Training weiterhin mit dem Tragen der Orthese kombiniert werden.
Wann ist das Tragen einer Orthese sinnvoll?
Eine Orthese ist besonders dann sinnvoll, wenn Muskeln, Bänder oder Sehnen vorübergehend nicht stark genug sind, um ein Gelenk vollständig zu stabilisieren. Das ist zum Beispiel nach einer Verletzung, einer Operation oder bei Erkrankungen wie Arthrose der Fall. Auch bei akuter Überlastung oder Ermüdung kann eine Orthese helfen, dem Gelenk Entlastung zu verschaffen, ohne dass vollständige Ruhe notwendig ist.
Eine gut angepasste Orthese ermöglicht es, sich während der Heilungsphase weiterhin zu bewegen. Und genau das ist entscheidend, denn Bewegung fördert die Durchblutung und die Regeneration der Muskulatur.
Wie verwendet man eine Orthese richtig?
Tragen Sie eine Orthese als vorübergehende Unterstützung oder bei Aktivitäten, die das Gelenk besonders belasten, wie Sport, Arbeit oder Rehabilitation. In Ruhephasen kann die Orthese abgelegt werden, damit die Muskeln ihre natürliche Funktion behalten.
Kombinieren Sie das Tragen der Orthese idealerweise mit muskelstärkenden Übungen oder Physiotherapie, um Kraft und Stabilität zu erhalten. Ein Physiotherapeut oder Orthesenfachmann kann helfen, das richtige Gleichgewicht zwischen Unterstützung und Muskelaktivität zu finden, abgestimmt auf Ihre individuellen Beschwerden.
Quellen
Hall, M., Diamond, L. E., Lenton, G. K., Pizzolato, C., & Saxby, D. J. (2019). Immediate effects of valgus knee bracing on tibiofemoral contact forces and knee muscle forces. Gait & Posture, 68, 55–62.
Yamauchi, J. & Koyama, K. (2015). The influence of ankle braces on the maximum strength of plantar and toe flexor muscles. International Journal of Sports Medicine, 36, 592–595.
