Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) und Orthesenberatung
Das Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) ist eine erblich bedingte Bindegewebserkrankung, bei der das Bindegewebe weniger belastbar ist als gewöhnlich. Das Bindegewebe sorgt für Stabilität in Gelenken, Haut, Muskeln und Bändern. Ist diese Struktur geschwächt, können Instabilität, Schmerzen und Müdigkeit auftreten. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Auswirkungen EDS auf den Alltag hat und welche Rolle Kompression und Orthesen bei der Unterstützung spielen können.
Lebenserwartung bei EDS
Für die meisten Menschen mit EDS ist die Lebenserwartung normal. Dies gilt insbesondere für den hypermobilen Typ, der am häufigsten vorkommt. Dennoch können die Beschwerden den Alltag und die körperliche Belastbarkeit erheblich beeinträchtigen. Seltene Formen, wie das vaskuläre EDS, erfordern aufgrund der erhöhten Anfälligkeit von Blutgefäßen und Organen eine engmaschige medizinische Betreuung.
Behandlung und Therapiemöglichkeiten
EDS kann nicht geheilt werden, da die Ursache genetisch bedingt ist. Die Behandlung konzentriert sich daher auf die Linderung der Beschwerden und die Vermeidung von Überlastungen. Durch eine Kombination aus fachlicher Betreuung, angepasster Bewegung und unterstützenden Hilfsmitteln lassen sich häufig deutliche Verbesserungen erzielen. Ziel ist es nicht, die Gelenke vollständig ruhigzustellen, sondern sie während der Bewegung besser zu unterstützen.
Symptome des Ehlers-Danlos-Syndroms
Die Beschwerden unterscheiden sich von Person zu Person. Viele Betroffene leiden unter einer übermäßigen Beweglichkeit der Gelenke in Kombination mit Schmerzen. Häufig treten außerdem Müdigkeit, Muskelschmerzen und ein Gefühl der Gelenkinstabilität auf. Bereits geringe körperliche Belastung kann zu anhaltenden Schmerzen oder einer verlängerten Regenerationszeit führen.
Typische Merkmale von EDS
Im Gegensatz zu einer gewöhnlichen Hypermobilität besteht bei EDS eine dauerhafte strukturelle Instabilität. Die Gelenke sind weniger stabil und können über ihren normalen Bewegungsbereich hinaus bewegt werden. Dies wird als Überstreckbarkeit bezeichnet. Die Haut kann weicher oder empfindlicher sein und Wunden heilen mitunter langsamer. Dadurch werden Gelenke und umliegende Strukturen schneller überlastet.
Die Rolle von Kompression und Orthesen bei EDS
Viele Menschen mit EDS empfinden Kompression als angenehm. Eine leichte Kompression vermittelt ein dauerhaftes Gefühl der Unterstützung und kann die Körperwahrnehmung, auch Propriozeption genannt, verbessern. Dadurch lassen sich Bewegungen besser kontrollieren, was Schmerzen und Ermüdung reduzieren kann.
Kompressionsbandagen für das Knie, die Schulter, das Sprunggelenk, das Handgelenk oder den Ellenbogen werden häufig im Alltag, bei der Arbeit oder bei leichter sportlicher Aktivität getragen.
Rückenunterstützung bei EDS
Bei Rücken- und Haltungsbeschwerden kann eine unterstützende Rückenorthese sinnvoll sein. Dies gilt insbesondere bei Schmerzen im unteren Rücken oder einer verminderten Rumpfstabilität. Eine leichte bis halbstarre Rückenorthese unterstützt den Rumpf, fördert eine bessere Körperhaltung und entlastet Muskeln sowie Bänder. Bei EDS sollte die Orthese Stabilität bieten, ohne die Beweglichkeit vollständig einzuschränken.
Elastische oder halbstarre Rückenorthesen mit Kompression und verstellbaren Gurten können beim Stehen, Gehen und Arbeiten unterstützen. Beispiele sind die E-life Advanced LumbarFit Rückenorthese und die Thuasne Lombacross Activity Rückenorthese.
Knieunterstützung bei EDS
Das Knie gehört zu den Gelenken, die bei EDS häufig Beschwerden verursachen. Aufgrund der Instabilität kann sich das Knie unsicher anfühlen oder nachgeben. Eine Knieorthese kann zusätzliche Stabilität und Führung während der Bewegung bieten.
Je nach Beschwerdebild eignet sich eine Kompressions-Kniebandage bei leichter Instabilität oder eine Knieorthese mit Gelenkschienen bei stärkerer Instabilität oder wiederkehrenden Verstauchungen.
Dies kann das Sicherheitsgefühl beim Gehen verbessern und das Risiko weiterer Verletzungen, beispielsweise beim Treppensteigen, längeren Spaziergängen oder Sport, verringern.
EDS und Schulterbeschwerden
Schulterbeschwerden treten bei Menschen mit EDS häufig auf. Ursache ist die verminderte Qualität des Bindegewebes, wodurch die Stabilität des Schultergelenks abnimmt. Da die Schulter ohnehin das beweglichste Gelenk des Körpers ist, kommt es leichter zu Instabilität oder Teilverrenkungen.
Viele Betroffene berichten über ein lockeres Gefühl in der Schulter, Schmerzen beim Heben oder Greifen sowie eine schnelle Ermüdung der Muskulatur. Die umliegenden Muskeln versuchen die fehlende Stabilität auszugleichen, was langfristig zu Überlastung führen kann.
Die Behandlung konzentriert sich auf die Verbesserung der Stabilität. Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rotatorenmanschette und der Schulterblattmuskulatur spielen dabei eine wichtige Rolle. Ebenso wichtig ist es, Überlastungen zu vermeiden und Bewegungen bewusst auszuführen.
Ist zusätzliche Unterstützung erforderlich, kann eine Schulterorthese hilfreich sein. Modelle wie die Bauerfeind OmoTrain Schulterorthese und die Reh4Mat Schulterorthese Pro können die Schulter bei alltäglichen Aktivitäten zusätzlich stabilisieren, insbesondere bei Instabilität oder wiederkehrenden Subluxationen.
EDS und Handgelenkbeschwerden
Auch das Handgelenk ist bei EDS häufig betroffen. Aufgrund der erhöhten Beweglichkeit entsteht schneller Instabilität, wodurch das Gelenk weniger belastbar wird. Dies kann Schmerzen, Ermüdung und ein erhöhtes Risiko für Überlastungsbeschwerden verursachen.
Beschwerden treten häufig beim Tippen, Heben oder Abstützen auf. Zusätzlich können Sehnenentzündungen entstehen, da die Sehnen dauerhaft mehr Stabilisationsarbeit leisten müssen. Manche Betroffene leiden außerdem unter Kribbeln oder Kraftverlust.
Da die Bänder das Handgelenk bei EDS weniger stabilisieren, bewegt sich das Gelenk leichter in extreme Positionen, wodurch Sehnen und umliegende Strukturen gereizt werden können.
Die Behandlung zielt darauf ab, die Belastung zu reduzieren und die Stabilität durch gezielte Übungen und Anpassungen im Alltag zu verbessern. Bei stärkeren oder länger anhaltenden Beschwerden kann eine Handgelenkorthese oder Schiene helfen, das Gelenk zu entlasten und weitere Überlastung zu vermeiden.
Die Push Med Handgelenkorthese bietet eine stabile Unterstützung, ohne die Handfunktion vollständig einzuschränken. Die Bewegung wird kontrolliert statt vollständig blockiert und eignet sich daher unter anderem bei Sehnenentzündungen und Überlastungsbeschwerden.
Die Össur Formfit Pro Wrist Handgelenkorthese bietet eine hohe Stabilität bei angenehmem Tragekomfort und eignet sich besonders, wenn zusätzliche Fixierung im Alltag oder während der Rehabilitation erforderlich ist.
Orthesen als Teil eines ganzheitlichen Behandlungskonzepts
Beim Ehlers-Danlos-Syndrom stellen Orthesen keine alleinige Lösung dar, sondern sind Bestandteil eines umfassenden Behandlungskonzepts. Die passende Orthese kann Schmerzen lindern, Gelenke schützen und den Alltag erleichtern. Welche Orthese am besten geeignet ist, hängt von den Beschwerden, dem betroffenen Gelenk und dem Ausmaß der Instabilität ab.


